07 May 2026, 04:32

Deutschland setzt auf Gasausbau und Fusionsenergie – doch die Kritik wächst

Liniengraph, der die erneuerbare Stromerzeugung nach Brennstoffart von 2000 bis 2040 zeigt, mit begleitendem erklärendem Text.

Deutschland setzt auf Gasausbau und Fusionsenergie – doch die Kritik wächst

Die rot-grün geführte Bundesregierung treibt die Pläne zum Ausbau der heimischen Gasförderung voran. Dazu gehören neue Projekte vor der Nordseeinsel Borkum sowie der Bau von Gaskraftwerken. Gleichzeitig investiert Deutschland massiv in Energietechnologien der nächsten Generation wie Kernfusion und kleine modulare Reaktoren (SMR).

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, eine ehemalige Managerin der Gasbranche, steuert die Reformen. Ihre Vorschläge zielen auch auf die Regeln für erneuerbare Energien und das Netzmanagement ab – und lösen damit Debatten über Kosten und Klimafolgen aus.

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Die aktuelle Energiestrategie der Regierung sieht eine Quote für „grünes Gas“ vor, die die Nutzungsdauer bestehender Gasnetze verlängern soll. Ein weiterer zentraler Baustein ist der Bau von Gaskraftwerken mit einer Leistung von 12 Gigawatt, deren Errichtung ab 2026 beginnen soll. Diese Anlagen, die oft als Reserve bei Engpässen im Stromnetz dienen, haben in den vergangenen Jahren die Kosten für Redispatch-Maßnahmen in die Höhe getrieben.

Kritiker weisen darauf hin, dass Gas – obwohl als Übergangslösung betrachtet – eine höhere Klimabelastung mit sich bringt als oft angenommen. Die Methanemissionen könnten einen Teil der kurzfristigen Vorteile gegenüber Kohle zunichtemachen.

Neben Gas setzt Deutschland auf fortschrittliche Kernforschung. Die EU hat 200 Millionen Euro für die Entwicklung von SMR bereitgestellt, Teil einer breiteren Strategie zur Beschleunigung dieser Technologie. Doch der Fortschritt bleibt zäh: Die meisten Projekte stecken noch in der Planungsphase, nur wenige werden in China und den USA bereits gebaut. Eine aktuelle Studie des Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) kommt zu dem Schluss, dass SMR weder in puncto Sicherheit noch bei den Kosten klare Vorteile gegenüber herkömmlichen Reaktoren bieten.

Auch Betreiber erneuerbarer Energien geraten ins Visier der Regierung. Nach den neuen Regeln könnten sie in überlasteten Netzregionen keine Entschädigung mehr für Abregelungen erhalten. Gleichzeitig könnten die vom Wirtschaftsministerium vorgeschlagenen regulatorischen Änderungen den Netzausbau und das Tempo der Energiewende prägen.

Im Bereich der Fusionsenergie hat Deutschland 1,7 Milliarden Euro für die Forschung bereitgestellt. Das Ziel: das erste funktionsfähige Fusionskraftwerk der Welt beherbergen und langfristig den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen und der klassischen Kernenergie einläuten.

Die Energiepläne der Regierung kombinieren den kurzfristigen Gasausbau mit langfristigen Wetten auf Fusion und SMR. Während ab 2026 neue Gaskraftwerke entstehen sollen, müssen sich Erneuerbare-Betreiber auf strengere Entschädigungsregeln einstellen. Der EU-Fonds für SMR in Höhe von 200 Millionen Euro und Deutschlands 1,7-Milliarden-Investition in die Fusion zeigen den doppelten Fokus auf unmittelbare Netzstabilität und zukünftige technologische Durchbrüche.

Die regulatorischen Änderungen durchlaufen nun das gesetzgeberische Verfahren – mit erwartbaren Auswirkungen auf Netzkosten, Emissionen und das Tempo der Energiewende.

Quelle