Ein Wahl-Super-Sonntag? Länderchefs lehnen Nouripours Plan strikt ab
Der Vorschlag, alle Landtagswahlen in Deutschland an einem einzigen Tag abzuhalten, hat bei den Regierungschefs der Bundesländer scharfen Widerspruch ausgelöst. Bundestagsvizpräsident Omid Nouripour (Grüne) hatte die Idee in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorgebracht und argumentiert, dies würde den Dauerwahlkampf eindämmen. Doch mehrere Ministerpräsidenten lehnten den Plan ab und warnten, er könnte den Föderalismus und die lokale Entscheidungsfreiheit untergraben.
Nouripour kritisierte, das aktuelle System halte die Politik in einem endlosen Wahlzyklus gefangen. Häufige Landes- und Kommunalwahlen führten seiner Meinung nach zu einer Überbetonung von Umfragen statt langfristiger Regierungsarbeit. Sein Vorstoß ziele darauf ab, den Wahlprozess zu vereinfachen und die Wahlmüdigkeit der Bürger zu verringern.
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) wies den Plan als Ablenkung von drängenden nationalen Themen zurück. Er betonte, Landtagswahlen dienten seit jeher als Ventil für Unmut über die Bundespolitik. Diese Signale zu ignorieren, könnte die politische Entfremdung noch verstärken, so Kretschmer.
Thüringens Regierungschef Mario Voigt (CDU) teilte diese Bedenken und erklärte, gebündelte Wahlen würden diese zu einem bundesweiten Votum über die Bundesregierung machen. Wichtig sei, dass die Wähler über regionale Themen wie Bildung, Sicherheit und Wirtschaft entscheiden – ohne Einmischung aus Berlin.
Rheinland-Pfalz’ Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) fügte hinzu, dass zeitgleiche Wahlen das Risiko uniformer Mehrheiten in den Ländern bergen. Dies würde das verfassungsmäßige Gleichgewicht zwischen Bund und Ländern stören, warnte er. Auch die SPD-geführte Saarland-Regierung unter Ministerpräsidentin Anke Rehlinger verteidigte das bestehende System und bestand darauf, dass Landtagswahlen regionale Politik – nicht Bundespolitik – in den Fokus stellen müssten.
Die Debatte offenbart die Spannungen zwischen bundesweiten und Länderinteressen in Deutschland. Während Nouripours Vorschlag auf eine Vereinfachung des Wahlsystems abzielt, pochen die Regierungschefs der Länder auf die Bewahrung eigenständiger Landtagswahlen. Ihr Widerstand deutet darauf hin, dass die Idee in ihrer aktuellen Form kaum Chancen auf Umsetzung hat.






