20 April 2026, 01:06

GEMA-Reform scheitert: Warum die Trennung zwischen E- und U-Musik bleibt

Schwarze und weiße Notenblätter für Johann Sebastian Bachs Symphonie Nr. 4 in G-Dur, Op. 63, mit einem Stempel in der unteren rechten Ecke, der "Di-Arezzo Co UK" lautet.

GEMA-Reform scheitert: Warum die Trennung zwischen E- und U-Musik bleibt

GEMA-Reform scheitert: Trennung zwischen E- und U-Musik bleibt bestehen

Ein von der GEMA vorgeschlagener Reformversuch, die langjährige Unterscheidung zwischen ernster (E-) und unterhaltender (U-)Musik abzuschaffen, ist gescheitert. Die Abstimmung im Mai 2025 verfehlte die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit, was eine breite Debatte auslöste. Kritiker monierten vor allem mangelnde Transparenz und unklare Finanzierungsregeln, während die Verwertungsgesellschaft selbst unter Druck gerät, die Kommunikation mit ihren Mitgliedern zu verbessern.

Die Trennung zwischen E- und U-Musik reicht bis in die Frühphase der GEMA zurück. Sie entstand durch die Fusion zweier Vorgängerorganisationen: der AFMA, die sich auf "ernste" sinfonische Werke konzentrierte, und der GEMA, die für Unterhaltungsmusik zuständig war. Ursprünglich wurde ein sogenanntes "ernstes Drittel" eingeführt, um Komponisten klassischer und orchestraler Stücke zu schützen. 1940 schaffte jedoch das NS-Regime unter Goebbels diese Regelung ab und beließ nur einen reduzierten Sonderstatus für E-Musik, der bis heute besteht.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Die Reform von 2025 zielte darauf ab, die E/U-Trennung vollständig aufzuheben. Ihr Ziel war ein gerechteres, transparenteres System mit klareren Kriterien für die Kulturförderung. Doch der Vorschlag stieß auf heftigen Widerstand. Große Kultureinrichtungen kritisierten die unscharfen Förderrichtlinien, andere befürchteten finanzielle Nachteile für die U-Musik. Die GEMA selbst wurde für ihre unzureichende Kommunikation während des Prozesses scharf kritisiert – viele forderten eine stärkere Einbindung der Mitglieder in künftige Diskussionen.

Finanziell verzeichnet die GEMA zwar ein stetiges Wachstum, insbesondere durch besseres Management der Online-Tantiemen. Die Einnahmen aus Live-Konzerten – eine wichtige Säule für die E-Musik – hinken jedoch hinterher. Streaming wiederum trägt kaum zu den Erlösen der E-Musik bei, was die Kluft weiter vertieft. Die GEMA plant nun einen neuen Reformanlauf für 2026, wobei erste Anzeichen auf eine strengere Haltung bei der Förderung von E-Musik hindeuten.

Das gescheiterte Vorhaben lässt die E/U-Trennung vorerst unangetastet. Die GEMA muss zunächst Transparenzdefizite beheben und die Bedenken ihrer Mitglieder ausräumen, bevor sie den Reformvorschlag erneut aufgreift. Mit einem weiteren Versuch für 2026 bleibt die Diskussion über faire Finanzierung und Kulturförderung in der Musikbranche weiter offen.

Quelle