Influencer riskieren ihr Leben für Klicks – Bergretter schlagen Alarm
Immer mehr Social-Media-Influencer wagen gefährliche Bergtouren – ohne ausreichende Vorbereitung
Aktuelle Vorfälle, darunter die riskante Besteigung des Matterhorns durch einen YouTube-Star, sorgen bei Bergrettungskräften für Besorgnis. Experten warnen, dass Online-Trends zu leichtsinnigem Verhalten in den Bergen verleiten.
Der norwegische YouTuber Magnus Midtbø stieg ohne alpine Erfahrung oder Führung auf das Matterhorn – sein Video dazu verzeichnete mittlerweile über 2,7 Millionen Aufrufe. Christoph Pirchmoser vom Österreichischen Alpenverein (ÖAV) bezeichnete das Unterfangen als „extrem glücklich verlaufen“ und betonte, dass Midtbø leicht einen Unfall hätte erleiden können.
Midtbø ist nicht der einzige Influencer, der solche Risiken eingeht. Jonathan Schöck, ein TikToker mit Höhenangst, bestieg unvorbereitet die Zugspitze. Andere Online-Persönlichkeiten folgten ähnlichen Beispielen – oft mit der Folge, dass Rettungseinsätze nötig wurden. Roland Ampenberger von der Bergwacht Bayern sieht Social Media als „Segen und Fluch zugleich“ für den Bergsport: Einerseits werde Wissen verbreitet, andererseits werde gefährliches Verhalten gefördert.
Alpinvereine im deutschsprachigen Raum setzen mittlerweile auf Social Media, um über Risiken in den Bergen aufzuklären. Stefan Winter vom Deutschen Alpenverein (DAV) sieht in den Influencern vor allem „Adrenalinjunkies“, nicht jedoch einen breiten Trend. Anjan Truffer, Rettungskraft bei Air Zermatt, beobachtet, dass Menschen heute durch Social Media zu größeren Risiken bereit seien. Frühere Generationen hätten sich dagegen schrittweise Wissen angeeignet und mehr Respekt vor den Bergen gezeigt.
Die Rettungsteams stehen vor wachsenden Herausforderungen, da immer mehr Menschen ohne ausreichende Ausbildung Bergtouren unternehmen. Die Verbreitung riskanter Online-Inhalte führt zu mehr Zwischenfällen – und gefährdet damit sowohl Kletterer als auch Retter. Alpenvereine setzen nun auf Aufklärung, um vermeidbare Unfälle in den Bergen zu reduzieren.






