29 April 2026, 05:32

Marathon-Theater erlebt Renaissance beim Berliner Theatertreffen 2024

Offenes Buch mit dem Titel "The Theatre: A Monthly Review of the Drama, Music, and the Fine Arts" mit sichtbarem Text und einem Logo auf der Seite.

Marathon-Theater erlebt Renaissance beim Berliner Theatertreffen 2024

Deutsches Theater liebt seit jeher opulente Langzeitinszenierungen – von Klassikern bis zu kühnen Experimenten. Diese Tradition setzt sich beim Berliner Theatertreffen 2024 fort, wo die Münchner Kammerspiele mit "Wallenstein: Ein Fest des Krieges in sieben Gängen" ein siebenstündiges Spektakel auf die Bühne bringen. Die Tickets für das Festival, das vom 1. bis 17. Mai stattfindet, waren innerhalb kürzester Zeit ausverkauft – ein Beweis dafür, dass das Publikum nach wie vor an marathonlangen Aufführungen Gefallen findet.

Der Trend zu ausufernden Stücken begann in den 1970er- und 1980er-Jahren mit dem Aufstieg des Regietheaters. Schon Robert Wilsons"Einstein on the Beach" (Premiere 1976) dauerte vier bis fünf Stunden. Später sprengte Luk Percevals"Schlachten" beim Salzburger Festspiele 1999 alle Grenzen: Die Inszenierung erstreckte sich über zwölf Stunden.

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Die Pandemie unterbrach diese Tradition vorübergehend, da Theater Pausen strichen, um Infektionsrisiken zu minimieren, und viele Stücke kürzten. Doch die Faszination für langatmige Erzählformen blieb ungebrochen. 2023 brachte das Schauspielhaus Bochum"Die Brüder Karamasow" in einer siebenstündigen Fassung auf die Bühne. Nun bereitet die Berliner Volksbühne eine Neuauflage von "Peer Gynt" vor – allein der erste Teil dauerte bei der Uraufführung acht Stunden.

Jährlich präsentiert das Theatertreffen zehn herausragende Produktionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zwar erfasst der Deutsche Bühnenverein offiziell keine Spieldauern, doch das Festivalprogramm spiegelt regelmäßig die anhaltende Beliebtheit theatralischer Mammutprojekte wider.

Die diesjährige Ausgabe des Theatertreffens unterstreicht, wie fest marathonhafte Inszenierungen im deutschsprachigen Theater verankert sind. Mit "Wallenstein" und anstehenden Revivals wie "Peer Gynt" füllen Zuschauer weiterhin über Stunden die Säle – ein Format, das nichts von seiner Strahlkraft eingebüßt hat.

Quelle