Abitur-Noten steigen – doch die Kompetenzen der Studierenden sinken
Die Glaubwürdigkeit des deutschen Abiturs gerät ins Wanken – Noteninflation setzt sich fort
Walter Koch, Präsident des Deutschen Hochschulverbandes (DHV), fordert dringende Maßnahmen, um den Trend der stetig steigenden Abiturnoten umzukehren. Der Verband warnt: Immer mehr Schulabgänger hätten unrealistische Erwartungen an ihr Studium – doch ihre tatsächlichen Fähigkeiten hielten oft nicht mit.
In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich der bundesweite Notendurchschnitt im Abitur kontinuierlich verbessert. Lag er 2006 noch bei 2,5, beträgt er heute 2,36. Koch kritisiert, dass die großzügig vergebenen Noten längst nicht mehr die tatsächliche Leistungsfähigkeit der Absolventen widerspiegeln.
Trotz der besseren Zeugnisse fehlen vielen Studierenden jedoch grundlegende Kompetenzen. Dozenten berichten von Defiziten in Mathematik, Leseverständnis und schriftlichem Ausdruck. Zwar bieten Hochschulen mittlerweile Brückenkurse an, doch deren Wirkung bleibt begrenzt – nicht zuletzt wegen knapper Kapazitäten.
Koch pocht darauf, dass das Abitur wieder stärker auf Qualität statt auf Quantität setzen müsse. Die Prüfung solle verlässlich zeigen, ob ein Schüler den Anforderungen eines Studiums gewachsen ist. Ohne Reformen, so seine Warnung, werde das System weiterhin Absolventen hervorbringen, die im Uni-Alltag überfordert sind.
Der Vorstoß für strengere Bewertungsmaßstäbe kommt zu einer Zeit, in der Hochschulen zunehmend mit Wissenslücken bei Erstsemestern kämpfen. Kochs Vorschlag zielt darauf ab, das Abitur als fairen Leistungsnachweis zu rehabilitieren. Sollten die Änderungen umgesetzt werden, müssten Schüler künftig höhere Standards erfüllen, bevor sie ein Studium aufnehmen.






