23 April 2026, 14:57

"Blutbuch" auf der Bühne: Wie Kim de l'Horizons Roman das Theater revolutioniert

Cover eines alten Buches mit dem Titel "Leben und Untersuchung der Möchtegern-Damen" mit drei illustrierten Frauen verschiedenen Alters und Ethnien.

"Blutbuch" auf der Bühne: Wie Kim de l'Horizons Roman das Theater revolutioniert

Eine bahnbrechende Bühnenadaption von Kim de l'Horizons preisgekröntem Roman feiert Premiere vor ausverkauftem Haus im Berliner Vaganten Bühne

Die Inszenierung bringt eine zutiefst persönliche Reise der Identität, Familiengeschichte und Selbstfindung auf die Bühne. Drei Schauspieler:innen teilen sich die Rolle von Kim und spiegeln so die fließende, ungebundene Selbstwahrnehmung der Protagonist:in wider.

Die Geschichte folgt Kim, einer genderfluiden Erzählerin, deren Leben sich verändert, als ihre Großmutter an Demenz erkrankt. Diese Krise löst eine Suche nach den eigenen Wurzeln aus – eine Reise in die Vergangenheit, um die Geschichte einer Blutbuche nachzuzeichnen, die ihr Urgroßvater einst gepflanzt hat. Unter ihren Ästen findet Kim ein seltenes Gefühl von Geborgenheit und Zugehörigkeit.

Kims Weg ist roh und schonungslos. Sie bewegt sich durch das Chaos von Sex und Nachtleben, nutzt die Dating-App Grindr sowohl als Flucht als auch zur Erkundung. Ihr Körper, beschrieben als ohne feste Grenzen, sprengt binäre Definitionen – ein Spiegelbild ihres Kampfes, Scham in Selbstakzeptanz zu verwandeln.

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Die Adaption verwebt auch transgenerationale Traumata, gestützt auf Recherchen von Kims Mutter. Diese Schichten aus Geschichte und Erinnerung vertiefen die Erzählung und verbinden persönliches Leid mit einem weiteren matrilinear vererbten Erbe. Der Roman selbst sorgte 2022 für Furore und gewann sowohl den Deutschen als auch den Schweizer Buchpreis.

Auf der Bühne verkörpern Julian Trostorf, Annemie Twardawa und Emma Zeisberger gemeinsam die Figur Kim – jede:r bringt eine eigene Energie in die Rolle ein. Ihre Darstellung fängt die Fluidität im Kern der Geschichte ein, in der Identität niemals singulär oder statisch ist.

Die Premiere markiert einen mutigen Moment für das zeitgenössische Theater, das hier Autobiografie mit experimentellem Erzählstil verbindet. Die ausverkaufte Vorstellung zeigt das große Publikuminteresse an Geschichten, die traditionelle Grenzen herausfordern. Kims Suche nach Selbstakzeptanz – durch Familie, Begierde und Geschichte – hallt weit über die Bühne hinaus nach.

Quelle