18 March 2026, 16:33

Digitalisierung bedroht 37 % der Jobs – und Europas demokratische Souveränität

Blauer Hintergrund mit zentrierter weißer Schrift, die besagt: "Präsident Biden setzt sich dafür ein, bis 2030 jeden Amerikaner mit erschwinglichem Hochgeschwindigkeitsinternet zu verbinden."

Digitalisierung bedroht 37 % der Jobs – und Europas demokratische Souveränität

Eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt, dass 37 Prozent der Arbeitsplätze in Deutschland ein hohes Risiko durch Automatisierung droht. Diese Warnung kommt zu einer Zeit, in der die Digitalisierung Branchen und Gesellschaften grundlegend verändert. Bei einem Vortrag in Sontheim wies der Medienexperte Michael G. Moehnle auf die weiteren Auswirkungen dieses Wandels auf die Demokratie und Europas Abhängigkeit von ausländischer Technologie hin.

Moehnle sprach im Club 52ProUnterallgäu über die Frage, wie die Digitalisierung Gesellschaft, Politik und demokratische Strukturen prägt. Sein zwischen 2020 und 2022 gehaltener Vortrag löste Diskussionen über die starke Abhängigkeit Europas von US-Technologiekonzernen aus. Damals basierten fast 90 Prozent der digitalen Infrastruktur Europas auf Unternehmen wie Google, Amazon und Microsoft.

Seither hat die EU Schritte unternommen, um diese Abhängigkeit zu verringern. Bis 2025 steigerten europäische Cloud-Anbieter ihren Marktanteil von etwa 10 Prozent im Jahr 2020 auf rund 25 Prozent – auch wenn US-Firmen weiterhin etwa 60 Prozent kontrollieren. Neue Regulierungen, darunter der 2022 beschlossene und 2024 in Kraft getretene Digital Markets Act, zielen darauf ab, monopolistische Praktiken einzudämmen. Dies führte zu Strafen wie der 1,8-Milliarden-Euro-Geldbuße gegen Apple. Das 2024 verabschiedete Daten-Gesetz sowie Initiativen wie Gaia-X (mittlerweile mit über 200 aktiven Knotenpunkten) und das mit 7 Milliarden Euro ausgestattete EuroHPC-Hochleistungsrechenprojekt (das bis 2025 zehn Exascale-Systeme anstrebt) treiben die digitale Souveränität Europas weiter voran.

Doch bleiben Herausforderungen bestehen. Deutschland liegt bei der Effizienz digitaler Verwaltungsdienstleistungen nur auf Platz 21 von 27 EU-Ländern. Gleichzeitig tragen intransparente Algorithmen auf Plattformen wie Facebook (3 Milliarden Nutzer), Instagram (2 Milliarden) und YouTube (2,7 Milliarden) zur Spaltung der Gesellschaft bei. Mit einer Reichweite von 87 Prozent der Weltbevölkerung wirft Meta Fragen nach der Integrität demokratischer Prozesse auf.

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Trotz der Risiken birgt die Digitalisierung auch Chancen. Die IAB-Studie verweist darauf, dass Technologie Deutschland helfen könnte, bis 2030 ein Viertel der notwendigen CO₂-Reduktionen zu erreichen. Experten betonen jedoch, dass eine konsequentere Durchsetzung der EU-Digitalgesetze nötig ist, um die Macht der Tech-Plattformen auszubalancieren.

Moehnles Vortrag hinterließ beim Publikum einen starken Eindruck und regte zur Reflexion über Europas digitale Zukunft an. Zwar wurden Fortschritte bei der Verringerung der Abhängigkeit von US-Technologieriesen erzielt, doch müssen die regulatorischen Bemühungen der EU mit dem rasanten technologischen Wandel Schritt halten. Die Balance zwischen Innovation, Arbeitsplatzsicherheit und demokratischem Schutz wird den Weg des Kontinents in die Zukunft prägen.

Quelle