25 April 2026, 16:35

Europas Arzneimittelversorgung steht vor dem Kollaps – wer hat die Lösung?

Ein Plakat mit der Aufschrift "In 2022 haben Big Pharma die Amerikaner zwei bis drei Mal so viel für dieselben Medikamente berechnet wie in anderen Ländern" unten, mit ein paar Flaschen und einer Spritze.

Europas Arzneimittelversorgung steht vor dem Kollaps – wer hat die Lösung?

Auf dem Jahreskongress des Handelsblatts entbrannte eine hitzige Debatte über Europas Fähigkeit, seine Arzneimittellieferketten abzusichern. Vertreter der Pharmaindustrie und der Krankenkassen gerieten über die Bevorratung, die Produktion und die Abhängigkeit von ausländischen Märkten aneinander. Die Diskussionen offenbarten tiefe Sorgen über die Vorbereitung des Kontinents auf mögliche Engpässe.

Dr. Kai Joachimsen, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Arzneimittel-Hersteller (BAH), gab mit seiner Aussage den Ton vor, Gesundheitspolitik müsse künftig als Sicherheitspolitik behandelt werden. Er argumentierte, dass die Bevorratung von Generika für Hersteller unpraktikabel sei und Europa seine Verwundbarkeiten gefährlich unterschätzt habe. Investitionen in Forschung und heimische Produktion seien keine Option mehr, sondern eine Notwendigkeit, betonte er.

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Thomas Weigold, Deutschlandchef von Sandoz/Hexal, teilte diese Bedenken und warnte vor der starken Abhängigkeit Europas von China bei Antibiotika und Generika. Er forderte, dass lebenswichtige Medikamente in den deutschen Sicherheitsrahmen integriert werden und europäische Produkte stärker priorisiert werden müssten. Weigold kritisierte zudem den "Handel-zuallererst"-Ansatz der EU, der die Widerstandsfähigkeit schwäche, während die Branche mit kostspieligen neuen Vorschriften belastet werde.

Kerem Inanc, Geschäftsführer von Alliance Healthcare Deutschland, bezeichnete das aktuelle Ziel einer sechsmonatigen Bevorratung als unzureichend. Stattdessen forderte er die Politik auf, realistische Krisenszenarien zu definieren und sich entsprechend vorzubereiten. Inanc stellte auch die Annahme infrage, dass die logistische Widerstandsfähigkeit garantiert sei, und betonte, dass Europa die lokale Produktion ausbauen müsse, um die Abhängigkeit von gefährdeten Seewegen zu verringern.

Tim Steimle, Pharmaleiter der Techniker Krankenkasse, brachte eine abweichende Perspektive ein. Er bestätigte, dass Deutschland sein Ziel erreicht habe, für 47 Prozent der Lieferkette einen sechsmonatigen Vorrat zu halten. Steimle wies zudem darauf hin, dass Rabattverträge zunehmend in umfassendere Versorgungsvereinbarungen überführt worden seien – wenn auch Kinderarzneimittel nach wie vor eine Ausnahme darstellten. Den geplanten Freihandelsvertrag mit Indien begrüßte er als möglichen Schritt zur Diversifizierung der Bezugsquellen.

Die Konferenz legte tiefe Gräben offen, wie Europas Arzneimittelversorgung gesichert werden soll. Während einige Fortschritte bei der Bevorratung betonten, forderten andere dringendes Handeln in den Bereichen Produktion, Regulierung und Handelspolitik. Die Debatte machte deutlich, dass die Abhängigkeit von ausländischen Märkten – insbesondere von China – nach wie vor ein zentrales Problem für die Arzneimittelsicherheit des Kontinents bleibt.

Quelle