Globalisierung im Rückzug: Warum Europa jetzt auf Asien und regionale Blöcke setzt
Frauke MansGlobalisierung im Rückzug: Warum Europa jetzt auf Asien und regionale Blöcke setzt
Laut dem Deloitte Geoeconomic Dynamics Index befindet sich die Globalisierung seit 2020 auf dem Rückzug. Verantwortlich dafür sind geopolitische Konflikte und eine nachlassende finanzielle Verflechtung zwischen den Nationen. Die wirtschaftliche und geopolitische gegenseitige Abhängigkeit ist damit nun das vierte Jahr in Folge gesunken.
Der Index zeigt einen Trend zur Regionalisierung auf. Grenzüberschreitende Integration findet zunehmend innerhalb klar abgegrenzter Blöcke statt. Vier große Gruppierungen prägen die aktuellen Beziehungen: Europa, der Nordamerika-Pazifik-Raum, der Russland-Nahost-Block sowie die Schwellenmärkte.
Europa hat seine wirtschaftlichen und geopolitischen Bindungen zu westlichen Verbündeten gestärkt. Gleichzeitig hat es sich von Schwellenländern und dem Russland-Nahost-Block distanziert. Mit bestimmten BRICS-Staaten wie Indien, Brasilien und den Vereinigten Arabischen Emiraten wurden die Beziehungen jedoch vertieft – angezogen von deren Wachstumspotenzial oder dem Zugang zu wichtigen Rohstoffen.
Volker Krug, CEO von Deloitte Deutschland, betont, dass geopolitische Entwicklungen zunehmend Handelskorridore und Investitionsströme prägen. Der Index identifiziert zwei übergeordnete Meta-Blöcke: die BRICS-Staaten und den westlichen Block. Diese Bündnisse bestimmen heute die Struktur der globalen Wirtschaftsbeziehungen.
Asien entwickelt sich dabei zu einem zentralen Wachstumsmarkt für Europa. Sechs der zehn am schnellsten wachsenden Exportziele Europas liegen in Asien. Bis 2035, so die Prognose des Index, werden sechs der zehn wichtigsten europäischen Exportmärkte in Asien liegen – mit Japan an der Spitze, das ein jährliches Wachstum von 4,1 Prozent erwarten lässt.
Der Rückzug der Globalisierung hat zu einer fragmentierteren Wirtschaftlandschaft geführt. Europas künftiges Handelswachstum wird sich voraussichtlich auf Asien konzentrieren, wobei Japan und andere Märkte die Expansion vorantreiben. Dieser Wandel spiegelt tiefgreifende Verschiebungen in den globalen Wirtschafts- und Geopolitik-Allianzen wider.
