Großrazzia in Nürnberg: 24 Wohnungen antifaschistischer Aktivist:innen durchsucht
Arnd JunckenGroßrazzia in Nürnberg: 24 Wohnungen antifaschistischer Aktivist:innen durchsucht
Die Nürnberger Polizei hat am Mittwoch, dem 11. März 2026, Razzien in 24 Wohnungen durchgeführt, die mit antifaschistischen Aktivist:innen in Verbindung stehen. An der Großaktion beteiligten sich Hunderte Beamte. Sie steht im Zusammenhang mit Ausschreitungen während eines rechtsextremen Aufmarsches im April 2025. Die Ermittler prüfen nun Vorwürfe wegen Gewalt gegen Polizisten, wobei die gemeldeten Verletzungen jedoch leicht ausfielen.
Die Durchsuchungen fanden fast ein Jahr nach der ursprünglichen Demonstration statt. Während der Aktion wurde eine Person festgenommen, nachdem sie versucht hatte, vor den Beamten zu fliehen.
Der Fall geht auf eine Gegenprotestaktion am 26. April 2025 zurück, als sich über 2.000 linke Aktivist:innen versammelten, um gegen eine Veranstaltung der rechtsextremen Gruppe Gemeinsam für Deutschland (GFD) zu protestieren. Dabei kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, bei denen 38 Gegendemonstrant:innen verletzt wurden. Die Polizei berichtete später, ein Beamter sei im Brustbereich gestoßen worden und habe leichte Verletzungen erlitten.
Monatelang war die Lage in Nürnberg bereits angespannt, bedingt durch häufige rechtsextreme Aufmärsche. Die Aktivistengruppe Team Menschenrechte hatte wiederholt Proteste organisiert, woraufhin die Polizei große Teile der Innenstadt absperren musste. Die jüngsten Razzien, die vom Nürnberger Amtsgericht genehmigt wurden, konzentrieren sich auf den Vorwurf des Landfriedensbruchs – ein Straftatbestand, der gewalttätige Gruppenhandlungen voraussetzt, die die öffentliche Sicherheit gefährden.
Kritiker:innen halten das Ausmaß der Polizeimaßnahmen für überzogen. Zwar seien die Verletzungen geringfügig gewesen, doch hätten sich Hunderte Beamte aus mehreren Bundesländern an der Aktion beteiligt. Viele der Beschuldigten sollen zudem nicht einmal gemeinsam gehandelt haben; die Vorwürfe beziehen sich auf separate Vorfälle an verschiedenen Orten.
Nach den Razzien protestierten fast 200 Antifaschist:innen vor dem Nürnberger Polizeipräsidium. Sie verurteilten die Maßnahmen als unverhältnismäßig – insbesondere angesichts der Tatsache, dass es bei den ursprünglichen Auseinandersetzungen keine schweren Verletzungen gegeben hatte.
Die Ermittlungen dauern an. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob die Vorwürfe die rechtlichen Voraussetzungen für einen Landfriedensbruch erfüllen. Bei einer Verurteilung drohen den Beteiligten Strafen, doch könnte der Ausgang des Verfahrens davon abhängen, ob eine abgestimmte Gewaltausübung nachgewiesen werden kann. Die Razzien und die anschließenden Proteste haben die Spannungen in der ohnehin schon von häufigen politischen Demonstrationen geprägten Stadt weiter verschärft.