RAW-Gelände in Berlin: Cassiopeia muss nach 20 Jahren das legendäre Kulturareal räumen
Frauke MansRAW-Gelände in Berlin: Cassiopeia muss nach 20 Jahren das legendäre Kulturareal räumen
Die Kurth Gruppe hat den Club Cassiopeia angewiesen, bis Ende des Monats das RAW-Gelände in Berlin-Friedrichshain zu räumen – trotz dessen 20-jähriger Präsenz und pünktlicher Mietzahlungen. Das Areal gilt seit Langem als zentraler Ort für Subkultur und Gemeinschaftsveranstaltungen.
Ursprünglich als Reichsbahn-Ausbesserungswerk genutzt, entwickelte sich das RAW-Gelände nach der Wiedervereinigung zu einem Hotspot für Clubs, Konzerte, Flohmärkte und weitere Aktivitäten. Noch am vergangenen Samstagabend herrschte reges Treiben: Eine öffentliche Übertragung des Fußballspiels Brasilien gegen Marokko lockte zahlreiche Besucher an.
2015 erwarb die Kurth Gruppe das Gelände. Es folgten Verhandlungen mit dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, um eine Balance zwischen städtebaulicher Entwicklung und dem Erhalt der kulturellen Identität zu finden. 2022 einigte man sich auf einen Kompromiss: Der „kulturelle L-Bau“ sollte geschützt werden – im Gegenzug entstand ein 100 Meter hoher Büroturm.
Mitte Mai dieses Jahres legte der Bezirk einen Rahmenvertrag vor. Die Kurth Gruppe lehnte ihn ab mit der Begründung, er diene vorrangig den Interessen Berlins und vernachlässige frühere Zusagen. Zudem bestand das Unternehmen auf sofortige Baugenehmigungen und Baubeginn noch vor Abschluss der Planung, woraufhin die Gespräche ins Stocken gerieten. 2024 zog sich die Gruppe schließlich vollständig aus den Verhandlungen zurück und erklärte den fast elfjährigen Planungsprozess für gescheitert.
Nun hat die Kurth Gruppe die Gespräche mit dem Bezirk beendet. Der Club Cassiopeia muss die Räumlichkeiten verlassen – ein einschneidender Wandel für das RAW-Gelände. Die Zukunft der subkulturellen Orte auf dem Areal bleibt ungewiss.






