14 March 2026, 14:33

Sienna Rose: Ist die gefeierte Soulsängerin nur eine KI-Erfindung?

Ein Mann im Anzug und Krawatte spricht vor einer Wand in ein Mikrofon, wahrscheinlich in Reaktion auf Nachrichten über ein Regierungsgesetz, das das Internet verbieten soll.

AI-Sängerin: Wer ist Sienna Rose - und warum sucht das Internet nach ihr? - Sienna Rose: Ist die gefeierte Soulsängerin nur eine KI-Erfindung?

Die Soulsängerin Sienna Rose hat auf Spotify fast zwei Millionen monatliche Hörerinnen und Hörer gesammelt. Doch immer mehr Hinweise deuten darauf hin, dass es sie möglicherweise gar nicht wirklich gibt. Recherchen legen nahe, dass es sich bei ihr um eine KI-generierte Künstlerin handelt, erschaffen von einem Label, das auf virtuelle Performende spezialisiert ist.

Erstmals tauchte Sienna Rose auf Spotify mit einem Profil auf, das eine junge Frau mit Afro-Look und tiefbraunen Augen zeigte. Ihre Biografie beschreibt sie als "Erzählerin der Gefühle", doch ihr plötzlicher Aufstieg wirft Fragen auf. Internetdetektive bemerkten, dass sie seit Ende 2025 in kurzer Zeit zahlreiche Songs veröffentlichte – ohne dass es Belege für Live-Auftritte gäbe.

Die Spur führte den Bayerischen Rundfunk (BR) zu einer russischen Internetverbindung, die mit Nostalgic Records und dem Produzenten Maksim Muravjov in Verbindung steht. Das Label ist bekannt für "KI-Akteure" – also KI-generierte Künstler – und Muravjov hat Verbindungen zu Hafsteinn Runarsson, einem KI-Spezialisten, der Pop-Avatare entwickelt. Als Nachfragen aufkamen, verschwand die ursprüngliche rothaarige Version von Sienna Rose aus den sozialen Medien, während das Profil mit der Afro-Frisur weiterhin aktiv blieb.

Ihr Durchbruch gelang, nachdem Selena Gomez einen ihrer Songs in einem Instagram-Post teilte. Der Track ging viral, doch die Zweifel blieben. Der YouTuber Rick Beato warf Spotify später vor, KI-Musik aus Profitinteresse zu pushen, und verwies auf die Millionen von täglich hochgeladenen Titeln auf der Plattform. Eine Studie des Streamingdienstes Deezer ergab, dass 97 Prozent der Hörerinnen und Hörer KI-generierte Songs nicht von echten unterscheiden können – wobei 85 Prozent der Streams solcher Titel von Bots stammen sollen.

Trotz der Kontroverse sollen die Macher von Sienna Rose wöchentlich über 2.000 Euro mit ihren Streams einnehmen. Der Fall bestätigt eine Warnung der UNESCO, wonach bis 2028 bis zu 24 Prozent des Musikmarktes von gefälschten Künstlern an menschliche Musikerinnen und Musiker verloren gehen könnten.

Sienna Roses Geschichte steht exemplarisch für einen größeren Wandel in der Musikbranche hin zu KI-generierten Acts. Untersuchungen von Stern, Rick Beato und der BR-Sendung Trasherchiert haben ihre mutmaßlich künstlichen Ursprünge rekonstruiert. Vorerst laufen ihre Songs weiter auf den Playlists, ihre Schöpfer profitieren – während Fragen nach Transparenz und Authentizität unbeantwortet bleiben.

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