29 March 2026, 20:35

Telefónica will Europas führender Telekommunikationsanbieter werden – doch Deutschland bleibt ungewiss

Luftaufnahme eines großen Industriegebiets in Leipzig, Deutschland, beschriftet mit "Bell Europe", mit Gebäuden, Bäumen, Straßen und Strommasten.

Telefónica will Europas führender Telekommunikationsanbieter werden – doch Deutschland bleibt ungewiss

Telefónica treibt Pläne voran, führender europäischer Telekommunikationsanbieter zu werden

Telefónica setzt seine Strategie konsequent um, sich als einer der führenden Telekommunikationsanbieter Europas zu etablieren – mit Fokus auf den Schlüsselmärkten Spanien, Brasilien, Großbritannien und Deutschland. Während die deutsche Tochter des Konzerns in den letzten Jahren ein starkes Wachstum verzeichnete, bleibt die künftige Ausrichtung ungewiss, da die Führungsebene strategische Optionen abwägt.

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In den vergangenen fünf Jahren hat Telefónica seine Position in Deutschland deutlich gestärkt. Allein 2024 gewann das Unternehmen 824.000 neue Postpaid-Verträge netto hinzu und überflügelte damit die Konkurrenz. Im zweiten Quartal 2025 kamen weitere 184.000 Mobilfunk-Vertragskunden dazu. Bis zum dritten Quartal 2024 stieg der Umsatz mit Mobilfunkdiensten auf rund 1,42 Milliarden Euro pro Quartal – ein Plus von 4,4 Prozent und das höchste Wachstum unter den deutschen Anbietern. Netzverbesserungen, darunter der zweite Platz im Connect-Test 2025, sowie Partnerschaften mit Nokia und AWS für die 5G-Cloud-Infrastruktur festigten die Marktstellung zusätzlich.

Deutschland ist mittlerweile der größte europäische Markt von Telefónica gemessen an der Kundenzahl: Zwischen 38 und 49 Millionen Mobilfunknutzer werden hier bedient. Diese Entwicklung folgte auf die Übernahme von E-Plus im Jahr 2014, die die Vorherrschaft des Konzerns zementierte. Zwar bleibt Spanien als Heimatmarkt und wichtigster Umsatzträger zentral, doch die jüngste Performance in Deutschland übertrifft die Erwartungen. Großbritannien hingegen, wo Telefónica O2 2016 verkaufte, spielt im Konsumentengeschäft keine Rolle mehr – im Geschäftsbereich B2B ist das Unternehmen dort jedoch weiterhin stark vertreten.

Auf dem jüngsten Capital Markets Day skizzierte der neu ernannte Vorstandsvorsitzende Marc Murtra seine Strategie unter dem Motto "Transform and Grow". Ziel ist es, Telefónica als "weltklasse europäischen Telekommunikationsanbieter" zu positionieren – konkrete Pläne für Deutschland blieben jedoch vage. Zwar schloss die Führungsebene eine Netz-Fusion im Land vorerst aus, doch Branchenbeobachter halten eine mögliche Konsolidierung im Consumer- und Business-Bereich für denkbar. Die Entscheidung über einen neuen Chef für Telefónica Deutschland liegt nun beim Aufsichtsrat der Telefónica AG in München.

Obwohl 60 Prozent der Kunden angaben, "Qualität vor Preis" zu priorisieren, spiegelt sich diese Präferenz noch nicht in den Markttrends wider. Die europäische Telekommunikationslandschaft bleibt zersplittert: 38 Netzbetreiber stehen hier nur drei in den USA und China gegenüber. Das Branchenwachstum wird voraussichtlich moderat ausfallen – mit einer jährlichen Wachstumsrate von 1,5 Prozent zwischen 2024 und 2028.

Die deutsche Tochter von Telefónica hat in puncto Kundenzahlen, Umsatz und Netzqualität klare Fortschritte gemacht. Doch ohne konkrete Ankündigungen und bei laufenden Strategieprüfungen bleibt der weitere Weg offen. Ob es dem Konzern gelingt, in Europa eine Führungsrolle einzunehmen, hängt davon ab, wie er das Wachstum in Deutschland mit seinen anderen Kernmärkten in Einklang bringt.

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