Warum "Ringel, Ringel, Reihe" nichts mit der Pest zu tun hat
Das Kinderlied „Ringel, Ringel, Reihe“ wird oft mit der Großen Pest von London oder dem Schwarzen Tod in Verbindung gebracht. Viele glauben, dass die Liedzeilen düstere Anspielungen auf diese historischen Ereignisse enthalten. Historiker jedoch argumentieren, dass es keine belastbaren Belege für diesen Zusammenhang gibt.
Erstmals schriftlich festgehalten wurde das Lied 1881 – lange nach den Pestepidemien des 14. und 17. Jahrhunderts. Diese zeitliche Lücke schwächt die Theorie, dass es von jenen Ausbrüchen inspiriert sein könnte. Die Idee, das Lied beziehe sich auf die Pest, tauchte erst 1961 auf – mehr als 80 Jahre nach seiner ersten Veröffentlichung.
Es existieren verschiedene Versionen des Liedes mit abweichenden Texten. Manche enthalten Rosen und Blumensträuße, die eher Freude und Liebe als den Tod symbolisieren. Wahrscheinlich entstand das Lied als Kinderspiel- und Singkreis im Deutschland des 18. Jahrhunderts. Eine weitere plausible Erklärung besagt, dass es sich ursprünglich um ein Gesellschaftsspiel für Jugendliche im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert handelte – eine Möglichkeit, religiöse Tanzverbote zu umgehen.
Das Lied hat nichts mit der Pest zu tun, sondern ist ein einfaches, verspieltes Kinderlied. Seine Ursprünge liegen eher in Spielen und Unterhaltung. Die düsteren Deutungen bleiben historisch unbelegt.






