27 March 2026, 10:32

Böhmermanns Ausstellung entlarvt Irrationalität zwischen Satire und Machtkritik

Ein Blatt mit einer Zeichnung von Menschen in traditioneller Kleidung, die den Text 'The New York Mirror: Devoted to Literature and the Fine Arts' bewundern, in einem dekorativen Rahmen auf einem hellblauen Hintergrund.

Böhmermanns Ausstellung entlarvt Irrationalität zwischen Satire und Machtkritik

Eine provokante neue Ausstellung in Berlin verbindet Satire, Politik und Absurdität

The Possibility of Irrationality ("Die Möglichkeit der Irrationalität"), konzipiert von Jan Böhmermann und seinem Kollektiv Gruppe Royale, wirft einen schonungslosen Blick auf Rechtsextremismus, Verschwörungstheorien und Populismus. Die Schau, die noch bis zum 19. Oktober im Haus der Kulturen der Welt zu sehen ist, stellt Besucher vor unangenehme Parallelen zwischen Deutschlands Vergangenheit und Gegenwart.

Schon beim Eintreffen wird das Publikum mit unerwarteten Bildern konfrontiert: Eine aufblasbare Freiheitsstatue treibt im Wasserbecken vor dem Gebäude. Drinnen ertönt eine feierliche Frauenstimme, die Land of the Free zur Melodie der US-Nationalhymne singt – eine gespenstische Echo über den Platz. Bevor es hinein geht, müssen alle ihr Handy abgeben – Aufnahmen sind strikt verboten.

Die Installationen brechen gezielt Tabus. Ein Fernrohr richtet sich auf einen Spiegel, der das benachbarte Bundeskanzleramt einfängt und die Besucher zum heimlichen Beobachten der Macht einlädt. Daneben zerfetzt eine Maschine alle 28 Minuten ein Stofftier – es sei denn, jemand zahlt, um es zu fotografieren. Besonders eindrucksvoll: eine lebensgroße Büste des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl – komplett aus Butter gemeißelt.

Auch KI kommt zum Einsatz. Die Ausstellung zeigt algorithmisch generierte Aktbilder des Politikers Friedrich Merz. Das übergeordnete Ziel ist klar: zu zeigen, wie Irrationalität die Politik heute prägt. Historische Bezüge – vom Untergang der Weimarer Republik bis zum Reichsbürger-Putschplan 2024 – ziehen sich durch die Exponate. Selbst der Aufstieg der AfD und Ängste vor der politischen Landschaft nach 2025 werden thematisiert.

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Nicht alle geplanten Auftritte fanden statt. Ein Konzert des Rappers Chefket wurde abgesagt, nachdem der Journalist Wolfram Weimer ihm Antisemitismus vorgeworfen hatte. Dennoch sorgt das Rahmenprogramm mit Künstlern wie Domiziana, Mine, Ebow und Wa22ermann dafür, dass die Provokation über die bildende Kunst hinausgeht.

Die Ausstellung ist täglich bis zum 19. Oktober geöffnet. Mit schwarzem Humor und scharfer politischer Analyse zwingt sie die Besucher, über die Zerbrechlichkeit der deutschen Demokratie nachzudenken. Ob durch Butterskulpturen oder zerfetzte Stofftier – die Botschaft bleibt dieselbe: Irrationalität lauert stets unter der Oberfläche.

Quelle